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Fälschen für den Kunstunterricht - Unser Lehrer Wolfram Paul

Ein Kunstlehrer aus dem Schwarzwald kopiert große Meister – und das ganz offiziell. In einer Bildserie haben Wolfram Paul und sein Vater das mittelalterliche Schloss Altensteig in verschiedene Kunststile übertragen. Die Variationen sind heute beliebtes Anschauungsmaterial im Kunstunterricht. Hätten Sie alle erkannt?



Van Gogh war viel unterwegs. Der Niederländer besuchte London, lebte in Paris und Südfrankreich. Was wäre gewesen, wenn ihn sein Weg auch in den Schwarzwald geführt und er Station in Altensteig gemacht hätte? Vielleicht hätte van Gogh das mittelalterliche Schloss gemalt, hätte es mit züngelndem Strich wiedergegeben oder in expressive Farbflächen zerlegt. Die Wirklichkeit sieht anders aus, Van Gogh war nie in Altensteig. Deshalb hat Wolfram Paul das Bild des Altensteiger Schlosses nachgereicht, das Van Gogh selbst nicht gemalt hat.
Wolfram Paul ist aber kein Kunstfälscher, sondern Kunstlehrer. So, wie Wolfgang Beltracchi sich zum Beispiel intensiv mit dem Werk von Max Ernst beschäftigt hat und einzelne Gemälde in bestimmte Phasen dazwischengeschoben hat, so hat sich auch Wolfram Paul intensiv mit Malern wie van Gogh, Miró oder Cezanne, Feininger, Klee oder Chagall auseinandergesetzt und deren Stile kopiert – ganz offiziell natürlich. Herausgekommen ist eine Serie zum Altensteiger Schloss im Stil von 25 verschiedenen Künstlern.
"Es hat mich gereizt, Künstlerbiografien zu verändern und in das Gesamtwerk eines Künstlers ein weiteres Bild einzufügen", erzählt Wolfram Paul. Der 1953 geborene Kunsterzieher unterrichtet seit 1974 an der Realschule in Altensteig, hat aber nebenher immer schon gemalt und gezeichnet – am liebsten Stadtansichten. Anfang der neunziger Jahre brachte Paul Lehrberuf und Leidenschaft zusammen und beschloss, das Altensteiger Schloss aus dem Jahr 1250 als Motiv zu nehmen und in verschiedene Kunststile des Kanons zu übertragen – von der Romantik über den Kubismus bis in die Gegenwart. Er hat das Schloss auch im Geiste verpackt und eine Entwurfsskizze angefertigt, die von Christo stammen könnte.

Missbrauch ist ausgeschlossen

Neben einer Ausstellung in Altensteig entstand auch ein Plakat der verschiedenen Übertragungen, das heute nicht nur Paul, sondern auch viele seiner Kollegen im Kunstunterricht einsetzen. Das Plakat helfe den Schülern, die Stilmerkmale von Joan Miró oder Caspar David Friedrich zu ermitteln und in Folge auch andere Bilder den Stilen zuzuordnen. Im Falle von van Gogh hat sich Wolfram Paul für das Spätwerk entschieden. "Es wäre mir aber auch nicht schwer gefallen, an die Pariser oder die holländische Zeit anzuknüpfen", sagt er, "ich fand die spätere Zeit malerisch aber interessanter." Paul ist von einer Darstellung der Kirche in Auvers ausgegangen. "Ich habe versucht, die expressive Linienführung und starke Farbigkeit zu übertragen."
Das handwerkliche Können habe er sich im Laufe der Jahre selbst angeeignet, erzählt Paul. Sein Vater Gerhard war Theatermaler in Mannheim, "da habe ich schon einiges erfahren.“ Er selbst hat nicht nur die verschiedenen klassischen Techniken wie Pastell, Aquarell und Öl erprobt, sondern auch Farben nach alten Rezepten angerieben und gemischt. Bei der Serie zum Altensteiger Schloss benötigte er nicht mehr als Öl und Acryl. Dafür hat er versucht, auch regionale Bezüge zu erstellen. So gibt es in einer Nachbargemeinde eine Kamelfarm, weshalb er auf der surrealistischen Variante des Schlosses nicht, wie man im Schwarzwald vermuten würde, Kühe oder Lämmer gemalt hat, sondern eben Kamele.

Unsere Erde - Bürgerprojekt des Künstlers Wolfram Paul

Am 14. November wurde im Foyer des Altensteiger Rathauses die Ausstellung „ALTENSTEIG – UNSICHTBAR – SICHTBAR – UNSICHTBAR“ des Altensteiger Künstlers Wolfram Paul eröffnet. Eines der dort zu sehenden Bilder ist jedoch noch gar nicht fertig. Genau genommen hat die Arbeit an diesem Werk gerade erst begonnen. Das großformatige, fünf mal zwei Meter messende Bild zeigt derzeit eine mit feinen weißen Linien gezeichnete Weltkarte auf schwarzer Leinwand. Am unteren Rand des Bildes steht die Widmung „Der Weltbevölkerung“. Auch Altensteig befindet sich auf dem Gemälde, allerdings – dem Titel der Ausstellung angemessen – unsichtbar. Was soll nun mit dieser Karte und mit den darauf sich befindenen 195 Ländern geschehen? Ziel des Projektes ist es, jedes dieser Länder mit Erde, die direkt aus diesem Land kommt, zu bemalen. Die Erde wird mit einem Bindemittel auf die Länder und Regionen übertragen. Das Ganze begann als Schulprojekt der Friedrich Boysen Realschule, indem die 700 Schülerinnen und Schüler von ihren Reisen kleine Mengen Erde oder Sand mitbrachten. Mittlerweile ist die gesamte Bevölkerung zur Mitarbeit aufgefordert. „Erklärtes Ziel ist es“, sagt Wolfram Paul, „von allen Ländern der Welt etwas Erde zu bekommen.“ Da auch Regionalkarten entstehen werden ist es durchaus erwünscht, dass mehrere Beirtäge aus demselben Land zusammenkommen. Und wer denkt, Erde sei nur braun oder schwarz und Sand sei immer nur gelb oder weiß, der wird sich wundern, welch bunter Flickenteppich da entstehen wird. Auf die Frage, ob man Erde denn einfach so über Grenzen transportieren dürfe, antwortet Wolfram Paul „wir brauchen ja keine großen Mengen. Und etwas Erde im Profil der Schuhsohlen wird kein Grenzer beanstanden.“ Noch ist das großformatige Bild „Unsere Erde“ weitgehend eine schwarze Fläche. Nach und nach werden sich die Flächen der umrissenen Länder mit den Farbpigmenten ihrer Erde bunt färben.

Paul verlegt Altensteig schon mal in die Toskana

Altensteig. Eine feierliche Vernissage eröffnete im gut gefüllten Foyer des Altensteiger Rathauses die Ausstellung "Altensteig – Unsichtbar – Sichtbar – Unsichtbar" mit Werken von Wolfram Paul.Die Bilderschau mit Altensteiger Motiven wird bis Mitte Januar zu sehen sein.Wolfram Paul wurde 1953 geboren und ist in Jöhlingen im Kraichgau aufgewachsen. Ein prägender Einfluss war für ihn der Beruf des Vaters. Dieser war als Bühnenbildner und Bühnenmaler am Nationaltheater in Mannheim tätig. Dort absolvierte Wolfram Paul schließlich auch sein Studium. Der Lehrerberuf führte ihn anschließend in den Nordschwarzwald. 2014 wird er sein 40-jähriges Dienstjubiläum als Kunstlehrer an der Altensteiger Friedrich-Boysen-Realschule feiern.

So bezeichnete Bürgermeister Gerhard Feeß Wolfram Paul auch als "Altensteiger Künstler, der sowohl als Lehrer wie auch mit seiner Kunst fest in Altensteig verwurzelt ist". Paul beteiligte sich mit seinen Schülern an zahlreichen Bürger-Projekten, wie dem Kunstzaun um die Baustelle des neuen Rathauses, am Projekt "900 Jahre Altensteig 900 Köpfe" und an der Kunstleitpfosten-Aktion zur Landesgartenschau im vergangenen Jahr. "Wolfram Paul", so Bürgermeister Gerhard Feeß, "erreicht uns emotional mit seinen Bildern. Er führt uns ungewöhnliche Perspektiven vor Augen, er präsentiert uns kleine Schätze, die alle hier in unserer Stadt zu finden sind."

Nach einer musikalischen Einlage der Gitarristen Thomas May und Rainer Steigner führte der Künstler ein Einführungsgespräch mit Kulturamtsleiter Christoph Oldenkotte. Der kurzweilige Dialog gab den Besuchern einige Hintergründe zu den Bildern an die Hand. Nach dem Titel der Ausstellung befragt, führte Wolfram Paul beispielsweise aus, dass Altensteig vor 1974 für ihn unsichtbar war und sich ihm dann mit Gebäuden und Einrichtungen präsentierte, die die jungen Menschen heute schon nicht mehr kennen: "Der Weg führte mich zuerst ins Café Mückstein. Diesen Ort gibt es so nicht mehr." In der Altstadt habe es mehrere Gaststätten und Ladengeschäfte gegeben. Weiter habe man das Kino 99 gekannt, die Besteckfabrik Auerhahn und die Silbermühle. Vieles habe sich verändert oder sei plötzlich unsichtbar geworden.

Ein Markenzeichen der Bilder von Wolfram Paul ist, dass er seine Stadt Altensteig zeitlich oder räumlich verschiebt. Da liegt Altensteig plötzlich in der Toskana, in den Schweizer Alpen oder in einem mittelalterlichen oder futuristischen Szenario. Dazu sagte der Künstler: "Es gibt vieles in Altensteig, aber nicht alles. Mit diesen Bildern möchte ich eine veränderte, fremde Architektur auf Altensteig übertragen und damit eine neue Wirkung erzeugen."

Nach dem Beinamen für Altensteig als "Kulturstadt" befragt, waren sich Kulturamtsleiter Oldenkotte und sein Gesprächspartner einig, dass Altensteig diesen Namen zu Recht trage. Neben dem vielseitigen und hochwertigen Kulturangebot ging Wolfram Paul dabei vor allem auf die breite Basis in der kulturellen Arbeit ein. "Die Arbeit in den Schulen, Kirchen und Vereinen führen zu einer Vielfalt kultureller Ereignisse in der Stadt mit ihren Teilorten." Abschließend stellte Wolfram Paul ein großformatiges Bild seiner Ausstellung vor. Das fünf mal zwei Meter große Gemälde "Unsere Erde" sei ein Projekt der Friedrich Boysen Realschule, erklärte der Künstler: "Die Schüler bringen von ihren Reisen kleine Mengen Erde oder Sand mit, welche auf diese Weltkarte mit einem Bindemittel auf die Länder und Regionen übertragen wird. Erklärtes Ziel ist es, von allen Ländern der Welt etwas Erde auf diese Bild zu bekommen."

Ape inspiriert Paul zu einer Bilderserie

Die Ape hat es Wolfram Paul angetan. Etwa zehn Jahre ist es her, dass der Altensteiger Realschullehrer im Toskana-Urlaub auf den dreirädrigen Pritschen-Motorroller aus dem Hause Piaggio aufmerksam wurde. Seither hat er die "Biene" – so die Übersetzung von "Ape" aus dem Italienischen – immer wieder gemalt. Rund 15 Motive sind so entstanden. Sieben davon zieren nun das 256-seitige Buch "Piaggio Ape – die fleißige Schwester der Vespa", das der Freiburger Chirurg und Autor Günther Uhlig dem Lastendreirad gewidmet hat.

Sein Traum: Mit der Ape über die Alpen

Wolfram Paul unterrichtet Kunst und Technik – eine Kombination, die sich nicht von vornherein aufdrängt, die es dem Dreiradroller aber ermöglichte, den Altensteiger gleich zweifach für sich einzunehmen. Da ist zum einen die technische Seite – der Erfindungsreichtum, der die Hersteller der Vespa dazu bewog, einen Motorroller mit einem dritten Rad, einer Ladepritsche und einer Fahrerkabine auszustatten. Und da ist das künstlerische Potenzial des Vehikels, das den Maler und Grafiker zu einer ganzen Bilderserie inspirierte. Meist in Acryl, teils auf strukturierten Untergründen, malte Paul den Motorroller in toskanische Landschaften hinein, in Höfe und Olivenhaine. Realistische Bilder mischen sich mit eher fantastischen Darstellungen – die Ape mit einem Esel an Bord, mit einem "Stück Toskana" und mit dem Matterhorn auf der Ladefläche. "Das geht auf einen alten Slogan zurück: ›Weg mit den Alpen, freie Sicht zum Mittelmeer", erklärt Wolfram Paul.
Sein Traum sei es, direkt im Werk in Pontedera eine Ape zu erwerben und diese dann über die Alpen nach Altensteig zu fahren, wo sie ihm als mobiles Atelier und Galerie dienen soll. Erste Erfahrungen hat Paul bereits gesammelt: Vor der Haustür in Altensteig steht bereits ein dreirädriger Motorroller – allerdings ein "Ercolino" vom Konkurrenten Moto Guzzi.

Das Gefährt ist nachwie vor im Einsatz

Günther Uhlig entdeckte Wolfram Pauls Gemälde im Internet. Nachdem er sich bereits ausführlich mit der Vespa auseinandergesetzt hatte, nahm der gelernte Mediziner und freie Journalist die Sisyphosarbeit auf sich, die Geschichte der Ape zu recherchieren und "das weltweit erste Buch, das die 70-jährige Modellgeschichte der Ape mit all den Hintergrundinformationen, mit Bildmaterial und vielem mehr zum Inhalt hat" zu verfassen, wie es im Vorwort des großzügig illustrieren Bands heißt.
Dass die Ape überhaupt das Licht der Welt erblickte, war der schieren Nachkriegsnot geschuldet. Dass sie heute Kultstatus genießt, ist sicher der Nostalgie geschuldet und dem Umstand, dass sie untrennbar mit Zeiten des Aufschwungs verbunden ist. Das eigentliche Wunder aber ist, dass sie heute noch nicht nur produziert, sondern auch gekauft und eingesetzt wird – von Händlern, Handwerkern, Landwirten und sogar Feuerwehren. Wer mehr darüber wissen möchte: Günther Uhligs "Piaggio Ape – die fleißige Schwester der Vespa" ist im Motorbuch-Verlag erschienen und im Buchhandel für 29,90 Euro zu haben.